Zukunftsstudie zum Autoland Saarland veröffentlicht

Zukunftsstudie zum Autoland Saarland veröffentlicht

In der »Zukunftsstudie Autoland Saarland« hat das Fraunhofer IAO drei Szenarien entwickelt, wie sich die Technologietrends Elektrifizierung, Automatisierung und Vernetzung von Fahrzeugen bis ins Jahr 2030 entwickeln könnten – und wie sich diese Entwicklungen auf das weltweite Umsatzpotenzial der Automobilindustrie auswirken werden.

Gemeinsam mit dem Institut der Deutschen Wirtschaft Köln Consult kommen die Experten zu dem Schluss, dass das Saarland jetzt die Weichen stellen und seine Stärken in bestimmten Feldern konsequent ausbauen muss, um zukünftig vom Technologiewandel zu profitieren.

Der Fahrzeugbau mit 260 Herstellern, Zulieferern und Ausrüstern stellt im Saarland mit über 44.000 Mitarbeitern die Hälfte aller Industriebeschäftigten. 16,9 Milliarden Euro Umsatz und 4,8 Milliarden Euro Wertschöpfung schreiben die Gutachter der »Zukunftsstudie Autoland Saarland« dem betrachteten Automotive-Cluster zu.

Vor diesem Hintergrund sind für den Standort Saarland die Fragen, wohin sich die Automobilindustrie zukünftig entwickeln wird und welche Implikationen diese Entwicklung für die ansässige Industrie hat, von größter Bedeutung. Im Auftrag der Staatskanzlei und des bei saaris angesiedelten Branchennetzwerks automotive.saarland haben das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO und das Institut der Deutschen Wirtschaft Köln Consult (IW Köln) in dieser Studie daher die Herausforderungen und Perspektiven des Automobilstandortes Saarland untersucht.

Auf Grundlage von 70 Tiefeninterviews mit Führungskräften der im Saarland aktiven Unternehmen und Institute im Fahrzeugbau liegt nun eine fundierte Bestandsaufnahme der Branche im Land vor. Zu den mitwirkenden Branchenexperten gehörten u.a. VDA-Vizepräsident Arndt Kirchhoff, Ford-Werke-Chef Gunnar Herrmann und Michelin Deutschland-Chef Jürgen John.

Die Ministerpräsidentin des Saarlands, Annegret Kramp-Karrenbauer, und die saarländische Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger stellten die Ausarbeitung gemeinsam mit den Gutachtern der Öffentlichkeit im Rahmen der Landespressekonferenz am 21. November 2017 vor.

Drei Szenarien für das Jahr 2030: Wie viel Elektrifizierung, Automatisierung und Vernetzung darf es sein?

Im Rahmen der Studie haben Experten aus Wissenschaft und Industrie gemeinsam unterschiedliche Szenarien erarbeitet, wie sich die Anteile von Fahrzeugen mit konventioneller und neuer Antriebstechnologie sowie Automatisierungs- und Vernetzungsfunktionalität bis 2030 entwickeln werden. Auf dieser Basis wurde eine Hochrechnung des weltweiten Umsatzpotenzials in den vom Strukturwandel der Automobilindustrie betroffenen Systemen und Komponenten vorgenommen.

Im Basisszenario wird angenommen, dass die Neuzulassungen von Personenkraftwagen und leichten Nutzfahrzeugen zur Personenbeförderung bis zum Jahr 2030 auf 120 Millionen Fahrzeuge anwachsen werden. 74 Prozent der neu zugelassenen Fahrzeuge sollen dann immer noch mit einem Verbrennungsmotor ausgestattet werden – ein Drittel davon als Hybridversion in Kombination mit einem Elektroantrieb.

Die restlichen 26 Prozent verteilen sich auf batterieelektrische und brennstoffzellengetriebene Fahrzeuge. Entsprechend dieser Prognose könnte die saarländische Automobilindustrie bei stabilem Marktanteilen ein Wachstum von rund 5,4 Milliarden Euro erwarten. Dem gegenüber stellt die Studie in einem disruptiven Szenario die hundertprozentige Neuzulassung von Elektrofahrzeugen im Jahr 2030 – auch wenn dies von keinem Experten der Branche erwartet wird. In diesem Fall würde der Umsatz der saarländischen Automobilindustrie im Vergleichszeitraum um rund eine Milliarde Euro fallen.

Weichen für den automobilen Strukturwandel stellen

Die Gutachter raten dem Saarland, jetzt die Weichen für den automobilen Strukturwandel zu stellen und dazu die Stärken des Standortes aktiv zu nutzen. Dazu zählen laut Studie neben einer hohen Industrieakzeptanz in Politik und Bevölkerung insbesondere Exzellenzen in der industriellen Fertigung, eine gute Forschungsinfrastruktur im Grundlagenbereich und niedrigere Arbeitskosten im Vergleich zu anderen Bundesländern.

In insgesamt sieben Handlungsfeldern werden konkrete Maßnahmen vorgeschlagen. Diese reichen von gezielten Hilfen für Unternehmen bei der Erschließung neuer Märkte, neuen Formaten bei der Verwertung von FuE-Ergebnissen bis hin zu einer Digitalisierungsroadmap. Das Land will daraus eine konkrete Strategie zur Bewältigung der Herausforderungen des automobilen Strukturwandels im Saarland ableiten.

www.iao.fraunhofer.de