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BMW Group führt humanoide Roboter in der deutschen Produktion ein

Die BMW Group treibt die Integration künstlicher Intelligenz in ihr Fertigungsnetzwerk voran – und unternimmt nun einen entscheidenden nächsten Schritt in Europa. Zum ersten Mal setzt das Unternehmen humanoide Roboter in der Serienproduktion in Deutschland ein und startet ein Pilotprojekt in seinem Werk in Leipzig.

Im Mittelpunkt der Initiative steht das, was BMW als „Physical AI“ bezeichnet – die Verschmelzung digitaler künstlicher Intelligenz mit realen Maschinen und Robotern. Das Ziel: KI-fähige humanoide Systeme in die bestehende Automobilproduktion zu integrieren und gleichzeitig zusätzliche Anwendungsmöglichkeiten in der Batterie- und Komponentenfertigung zu erforschen.

„Die Digitalisierung verbessert die Wettbewerbsfähigkeit unserer Produktion – hier in Europa und weltweit. Die Symbiose aus Ingenieurskompetenz und künstlicher Intelligenz eröffnet völlig neue Möglichkeiten in der Produktion“, sagte Milan Nedeljković, Mitglied des Vorstands der BMW AG, Produktion.

Von der Datenplattform zur physischen KI

Künstliche Intelligenz ist bereits tief in das Produktionssystem von BMW eingebettet – von digitalen Zwillingen in der virtuellen Fabrik über KI-gesteuerte Qualitätskontrolle bis hin zur autonomen Intralogistik. Ein wichtiger Faktor ist ein einheitliches IT- und Datenmodell, das isolierte Datensilos durch eine standardisierte, unternehmensweite Datenplattform ersetzt.

Dieses einheitliche Daten-Backbone ermöglicht es KI-Agenten, in komplexen Umgebungen autonom zu agieren und sich durch Lernen kontinuierlich zu verbessern. In Kombination mit Robotik bilden diese Agenten die Grundlage für Physical AI – eine Entwicklung, die BMW als Paradigmenwechsel in der Fertigung bezeichnet.

„Unser Ziel ist es, Technologieführer zu sein und neue Technologien frühzeitig in die Produktion zu integrieren. Pilotprojekte helfen uns dabei, den Einsatz von Physical AI – also lernfähigen KI-gestützten Robotern – unter realen industriellen Bedingungen zu testen und weiterzuentwickeln“, sagte Michael Nikolaides, Senior Vice President Production Network, Supply Chain Management bei der BMW Group.
„Der erfolgreiche erste Einsatz humanoider Roboter in unserem BMW Group Werk in Spartanburg in den USA beweist, dass ein humanoider Roboter nicht nur unter kontrollierten Laborbedingungen, sondern auch in einer bestehenden Automobilfertigungsumgebung funktionieren kann.“

Pilotprojekt in Leipzig mit Hexagon Robotics

Das europäische Pilotprojekt wird in Zusammenarbeit mit Hexagon Robotics durchgeführt, einer in Zürich ansässigen Einheit von Hexagon, die sich auf physikalische KI spezialisiert hat. Der 2025 vorgestellte humanoide Roboter AEON wird derzeit schrittweise im BMW Werk Leipzig integriert.

„Wir freuen uns sehr, zum ersten Mal einen humanoiden Roboter in einem Pilotprojekt in einem Werk in Deutschland einzusetzen“, sagte Michael Ströbel, Leiter Prozessmanagement und Digitalisierung, Order to Delivery bei der BMW Group.
„In diesem Jahr konzentrieren wir uns auf die schrittweise Integration in unser Produktionssystem, um eine Vielzahl von Anwendungsmöglichkeiten zu erkunden. Der Schwerpunkt liegt auf der Erforschung des multifunktionalen Einsatzes des Roboters in verschiedenen Produktionsbereichen, wie der Batterieherstellung für Energiemodule und der Komponentenfertigung für Außenbauteile.“

Das menschenähnliche Design von AEON ermöglicht die flexible Anbringung verschiedener Greifer und Scan-Werkzeuge, sodass es Aufgaben in der Hochspannungsbatteriemontage und Komponentenfertigung übernehmen kann. Humanoide Robotik wird als Ergänzung zur bestehenden Automatisierung positioniert und eignet sich besonders für monotone, ergonomisch anspruchsvolle oder sicherheitskritische Aufgaben – mit dem Ziel, Mitarbeiter zu entlasten und die Arbeitsbedingungen zu verbessern.

„Wir freuen uns sehr über die Zusammenarbeit mit der BMW Group, um den Einsatz humanoider Roboter in realen Umgebungen voranzutreiben“, sagte Arnaud Robert, Präsident von Hexagon Robotics.

Erfahrungen aus den USA: 30.000 Fahrzeuge unterstützt

Der Schritt von BMW nach Deutschland baut auf den Erfahrungen auf, die in den Vereinigten Staaten gesammelt wurden. Im Jahr 2025 setzte das Unternehmen in Zusammenarbeit mit Figure AI erstmals humanoide Roboter in seinem Werk in Spartanburg ein.

Innerhalb von zehn Monaten unterstützte der Roboter die Produktion von mehr als 30.000 BMW X3-Fahrzeugen, arbeitete in Zehn-Stunden-Schichten und übernahm das präzise Entfernen und Positionieren von Blechteilen für das Schweißen. Das Pilotprojekt zeigte, dass humanoide Roboter in einer realen Automobilumgebung zuverlässig repetitive, millimetergenaue Aufgaben ausführen können.

Eine wichtige Erkenntnis: Der Übergang von Labortests zur realen Produktion verlief dank der Integration über standardisierte Schnittstellen innerhalb des Smart Robotics-Ökosystems von BMW schneller als erwartet.

Eine strukturierte Roadmap für die Skalierung

Um zukünftige Projekte zu koordinieren, hat BMW ein neues „Kompetenzzentrum für physikalische KI in der Produktion“ eingerichtet, in dem das Know-how in den Bereichen KI und Robotik aus dem gesamten Unternehmen gebündelt wird. Technologiepartner werden anhand definierter Industrialisierungskriterien bewertet und zunächst in Laborumgebungen getestet, bevor sie in Pilotprojekten in Werken zum Einsatz kommen.

„In unserem neuen Kompetenzzentrum für physikalische KI in der Produktion bündeln wir unser Fachwissen, um Kenntnisse über KI und Robotik innerhalb des Unternehmens breit nutzbar zu machen“, sagte Felix Haeckel, Teamleiter CoC Physical AI for Production.

Mit dem Beitritt von Leipzig zu Spartanburg positioniert sich die BMW Group an der Spitze der humanoiden Robotik in der Automobilfertigung. In den kommenden Monaten wird sich zeigen, wie schnell physikalische KI vom Pilotstatus zur breiteren industriellen Realität wird – aber die Richtung ist klar: KI ist nicht mehr auf Software und Simulation beschränkt, sondern hält Einzug in die Fertigung.

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