Prüfung läuft: "Wir testen nahezu jeden denkbaren Fall, der in der Betriebszeit eines Autos auf das Batteriesystem zukommen kann", Dr. Michal Bruna. Foto: Volksagen AG

Dr. Michal Bruna: „Jede Batterie muss ihre Sicherheit in 5000 Tests beweisen

Elektrisch fahren heißt sicher fahren: Bevor die Batteriesysteme moderner E-Autos auf die Straße kommen, haben sie in umfassenden Sicherheits-Checks die Prüfungen eines ganzen Autolebens bestanden. Dr. Michal Bruna leitet den Bereich Elektronikentwicklung und Test im Batterieentwicklungszentrum der Volkswagen Group Components in Braunschweig. Er erklärt, welche Freigabetests die Energiespeicher durchlaufen müssen.

Dr. Michal Bruna, Head of Electronics Development and Testing at the Brunswick Battery Development Center. Foto: Volkswagen AG

Wie werden bei Volkswagen die Batteriesysteme geprüft?
Im Batterieentwicklungszentrum in Braunschweig testen wir nahezu jeden denkbaren Fall, der in der Betriebszeit eines Autos auf das Batteriesystem zukommen kann – von Unfällen bis zu extremen Temperaturen. Die Sicherheit von Fahrerinnen und Fahrern ist für uns das Wichtigste. Deshalb gilt: Jede Variante der Batterie einschließlich der Software muss ihre Sicherheit in mehr als 5.000 Einzeltests beweisen.

Was genau untersuchen Sie?
Ein wichtiges Gebiet sind die Lebensdauertests: Wir setzen die Batteriesysteme Belastungen in mechanischen Schocks aus, wie sie durch Bordsteinkanten, Bahnübergänge oder Steinschläge auftreten. In einem zweiwöchigen Vibrationstest simulieren wir den kompletten Lebenszyklus eines Fahrzeugs. Bei anderen Tests muss die Batterie Temperaturschocktauchen überstehen, wie es zum Beispiel beim Fahren durch kaltes Wasser entstehen kann. In elektrischen Batterieprüfständen testen wir die Batteriesysteme bei unterschiedlichen Klimabedingungen – Temperatur und Luftfeuchtigkeit – mit geforderten Lade- und Entladeströmen. Am Ende zerlegen wir jedes Batteriesystem und kontrollieren den Zustand.

Wie ist die Arbeitsteilung im Konzern?
Neben unseren System-Tests in Braunschweig gibt es im Unternehmen viele weitere Prüfun
gen: Das Center of Excellence in Salzgitter testet die Qualität der Batteriezellen und die Technische Entwicklung in Wolfsburg die Zellmodule. So stellen wir beispielsweise sicher, dass jede Batterie auch wirklich die maximale Reichweite erreichen kann. Die Software und Steuergeräte werden auf sogenannten Hardware-in-LoopPrüfständen automatisch auf ihre Funktionalität, Sicherheit, Zuverlässigkeit und reibungsloses Zusammenspiel getestet. Und in der Batteriefertigung wird die Funktionalität und Sicherheit jeder Batterie kontrolliert, bevor die Batterie in das Fahrzeugwerk ausgeliefert wird.

Wie sicher ist die Elektronik?
Für die Batterieelektronik gelten die höchsten Sicherheitsstandards, die es in der Automobilindustrie gibt. Das bedeutet, dass ein sicherheitsrelevanter Fehler nach frühestens 100 Millionen Betriebsstunden auftreten darf. Bei Fahrzeugunfällen schaltet die Elektronik das Batteriesystem ab, sodass das Auto nicht unter Spannung stehen kann und Fahrer und Mitfahrer selbst in dieser Ausnahmesituation sicher sind.

Welchen Schutz gibt es sonst bei Unfällen?
Die Batterie befindet sich zwischen den Achsen der Autos und ist damit schon durch die Fahrzeugarchitektur gut geschützt. Das gilt für vollelektrische Fahrzeuge ebenso wie für Plug-In-Hybride. Bei einem außergewöhnlich schweren Crash kann das Batteriesystem natürlich trotzdem beschädigt werden – es dürfen aber keine Sicherheitsprobleme auftauchen. Löst der Airbag aus, ist das Batteriesystem automatisch gesperrt. Es kann erst nach einem Sicherheits-Check in der Werkstatt gestartet und wieder geladen werden. Das bedeutet, auch hier ist die maximale Sicherheit für die Insassen gewährleistet.

Welches Auto fahren Sie?
Einen Passat GTE. Der Hybrid-Antrieb ist für mich im Moment eine super Lösung. Im Alltag fahre ich fast alle Strecken elektrisch. Bei längeren Touren nutze ich die Kombination aus E-Motor und Benziner. In Corona-Zeiten kommt das allerdings kaum vor, weil ich viel zuhause bin. Vor kurzem habe ich nach sechs Wochen erstmals wieder getankt – ganze 15 Liter Benzin.

Weitere Informationen: Volkswagen AG

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13.04.2021   |  

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