EQS 580 4MATIC. Foto: DAIMLER AG

Im Interview EQ-Spezialist Christoph Starzynski: „Bei 780 Kilometer ist noch nicht Schluss“

Am 10. August startete der Verkauf des EQS. Die erste vollelektrische Luxuslimousine aus dem Hause Mercedes-Benz nutzt als erstes Modell die neue reine Elektroplattform und verbindet Technologie, Design, Funktionalität und Konnektivität in völlig neuer Weise. Over-the-Air-Updates (OTA) ermöglichen, komplett neue Fahrzeugfunktionen. Die Auslieferung der Versionen EQS 450+ mit 245 kW sowie EQS 580 4MATIC beginnt im September. Lesen Sie hier ein Gespräch mit Christoph Starzynski, er ist als Vice President Electric Vehicle Architecture bei Mercedes-Benz verantwortlich für die Modelle von Mercedes-EQ. Seit 2002 ist der Diplom-Betriebswirt im Daimler Konzern in verschiedenen Positionen im In- und Ausland.

Christoph Starzynski, als Vice-President Electric Vehicle Architecture bei Mercedes-Benz verantwortlich für die EQ Fahrzeuge. Foto: DAIMLER AG

Herr Starzynski, 2021 jagt eine Mercedes-EQ Premiere die nächste: Zunächst haben Sie mit dem EQA den vollelektrischen Bruder des GLA vorgestellt, jetzt wird mit dem EQS das neue Oberklassemodell gezeigt, und zwischendurch feiert auch noch der Siebensitzer EQB sein Debüt. Wie kommt es, dass Mercedes-EQ in der Kompakt- und in der Oberklasse zugleich durchstartet?

Christoph Starzynski: Sie haben Recht, unsere Elektrooffensive ist in vollem Schwung. Wir haben aber auch ambitionierte Ziele: Bereits bis 2030 wollen wir mehr als die Hälfte unserer Autos mit Elektroantrieb verkaufen – hierzu zählen vollelektrische Fahrzeuge und Plug-in-Hybride. Und die Aufzählung ist bei weitem nicht vollständig: Auf der neuen Architektur folgen mit der Business-Limousine EQE und den SUV-Varianten von EQS und EQE schon bald weitere Modelle.

Sie sprechen die Architektur an. Der EQS nutzt als erstes Modell die neue reine Elektroplattform. Worin liegen die Vorteile dieses Purpose-Designs?

Starzynski: Diese neue Architektur ist in jeder Hinsicht skalierbar und modellübergreifend einsetzbar. Radstand und Spurweite sowie alle übrigen Systemkomponenten, insbesondere die Batterien und die eATS, sind dank des modularen Systembaukastens variabel. Diese Fahrzeug-Architektur ermöglicht Mercedes Elektroautos im Luxussegment von der Limousine bis zum großen SUV. Dank entsprechender Synergieeffekte können wir sehr schnell auf Kundenwünsche reagieren – nach neuen Elektrofahrzeugen, aber auch während eines Lifecycles nach Varianten mit zum Beispiel der nächsten Batteriegeneration. Und in puncto Design und Raumangebot bietet eine reine Elektroplattform den Kunden natürlich auch große Vorteile.

Mercedes-EQ ist neuerdings eine Submarke wie Mercedes-AMG oder Mercedes-Maybach. Spiegelt das die gestiegene Bedeutung der Elektromobilität bei Mercedes wider?

Starzynski: Ja, ‚Electric First‘ ist unser Leitbild. Und Mercedes-EQ geht es nicht nur um die Erweiterung traditioneller Mercedes-Benz Tugenden wie Sicherheit, Verantwortung, Perfektion und Faszination, indem wir neue Technologie wie den Elektroantrieb nutzen. Sondern auch die Verknüpfung von Intelligenz und Emotion ist zentral in Mercedes-EQ verankert. Wir wollen unsere Kunden in eine Welt neuer Möglichkeiten begleiten. Dazu gehören auch Software-Updates und die Freischaltung neuer Fahrzeugfunktionen over the Air (OTA). Hinzu kommt: Unser Nachhaltigkeitsansatz ist ganzheitlich und umfasst beispielsweise auch Green Charging. So tragen wir aktiv zur Reduktion der CO2-Emissionen bei und gehen mit unserer Ambition 2039 den Weg zur CO2-neutralen Mobilität der Zukunft.

Stichwort Zukunft: Wie geht es weiter? Wird die nächste Generation kompakter Elektroautos auch auf einer neukonzipierten Plattform stehen?

Starzynski: Unsere Ingenieure arbeiten gerade an einer weiteren elektrischen Fahrzeugplattform, der Mercedes-Benz Modular Architecture (MMA) für Fahrzeuge im Kompakt- und Mittelklasse-Segment. 2025 kommen die ersten Modelle auf MMA-Basis und werden unser Elektrofahrzeug-Portfolio komplettieren.

Und ist mit den bis zu 780 Kilometern Reichweite (WLTP) des EQS das Ende der Fahnenstange erreicht?

Starzynski: Zunächst einmal freuen wir uns sehr, dass wir diesen ausgezeichneten und vor allem sehr kundenrelevanten Reichweitenwert hinbekommen haben. Viele Mitarbeiter aus ganz unterschiedlichen Abteilungen haben dazu beigetragen: Aerodynamiker und Designer mit dem neuen Weltrekord beim cw-Wert, unsere Batteriespezialisten mit höherer Energiedichte und inhouse entwickelter Software plus die wertvolle Arbeit anderer Experten, die zu sehr guter Rekuperation und einer wirklich cleveren Navigation mit Electric Intelligence geführt hat …

Aber zurück zu Ihrer Frage: Nein, bei 780 Kilometern ist noch kein Schluss. Mit dem Technologieprogramm Vision EQXX haben wir ja bereits einen nächsten Schritt angekündigt. Unsere Entwicklungsabteilung hat den Auftrag, die Grenzen bei Reichweite und Effizienz weiter zu verschieben. Darum haben wir ein funktionsübergreifendes und multidisziplinäres Team in Stuttgart zusammengestellt, das von Spezialisten der britischen Mercedes-Benz F1 HPP-Gruppe unterstützt wird. Die Kollegen bringen ihr Fachwissen über E-Motoren sowie ihre vom Motorsport inspirierte Entwicklungsgeschwindigkeit ein. Aus diesem Technologieprogramm werden Innovationen schnell Einzug in die Serienfahrzeuge finden.

Daten im Überblick: EQS 450+ und EQS 580 4MATIC

    EQS 450+ EQS 580 4MATIC
Antrieb   Hinterrad Allrad
E-Maschine(n) Typ Permanenterregte Synchronmaschine(n) (PSM)
Leistung (Spitze) kW 245 385
Drehmoment (Spitze) Nm 568 855
DC-Ladeleistung max. kW 200 200
DC-Ladezeit[8] an Schnellladestation min 31 31
Beschleunigung 0-100 km/h s 6,2 4,3
Höchstgeschwindigkeit[9] km/h 210 210
Verbrauch kombiniert (WLTP) kWh/100 km 19,8-15,6 21,2-18,4
CO2-Emissionen (WLTP) g/km 0 0
Verbrauch kombiniert (NEFZ) kWh/100 km 18,9-16,2 19,6-17,6
CO2-Emissionen (NEFZ) g/km 0 0
   
Preis ab[10] Euro 106.374,10 135.529,10
         

Quelle: Daimler AG

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20.09.2021   |  

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