Interview: „Schon Millisekunden können den Unterschied ausmachen“

Mario Grobholz ist Vice President of Product Management bei G+D Mobile Security. Im Interview erläutert er, wie sich 5G von 4G unterscheidet und welche erfolgskritische Bedeutung der kommende Mobilfunkstandard für das Connected Car hat.

Herr Grobholz, was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Unterschiede zwischen 5G und dem aktuellen Mobilfunkstandard?

Mario Grobholz: 5G wird deutlich schneller mehr Daten verarbeiten und mehr Geräte gleichzeitig vernetzen können, als das mit 4G möglich ist. Der neue Mobilfunkstandard wird hundertmal höhere Geschwindigkeiten ermöglichen und – so prognostizieren Analysten – bis zum Jahr 2024 rund 34 Milliarden Geräte und Maschinen miteinander vernetzten. Außerdem werden mit 5G Latenzzeiten von unter einer Millisekunde möglich sein. Dabei wird sich das Mobilfunknetz viel gezielter und individueller nutzen lassen als heute.

Was heißt das konkret?

Grobholz: Es wird dedizierte „Network Slices“ geben, also virtuelle Netze, die parallel auf derselben physischen Infrastruktur betrieben werden und unterschiedliche Datenraten, Geschwindigkeiten und Kapazitäten bereitstellen. Diese lassen sich dann gezielt unterschiedlichen Anwendungen zuweisen. So wird es beispielsweise ein spezielles „IoT Slice“ für die Maschine-zu-Maschine-Kommunikation geben; ein zweites Slice wird ein erweitertes mobiles Breitband für Anwendungen wie 3D-Streaming oder Augmented und Virtual Reality zur Verfügung stellen; und ein drittes deckt besonders kritische Kommunikationsanforderungen etwa in der Medizintechnik oder beim autonomen Fahren ab.

Welche Bedeutung schreiben Sie 5G zu?

Grobholz: Ich halte es für eine wichtige Zukunftstechnologie. Es gibt keinen besseren Weg, die komplexe Vielzahl an Geräten und Maschinen im Ecosytem zu bedienen, als die Anwendungsfälle in dedizierten Netzwerken zu clustern – so wie das 5G mit seinen Slices tut. Auf diese Weise können die spezifischen Bedürfnisse der Konsumenten und der einzelnen Branchen gezielt erfüllt werden und die Services lassen sich entsprechend bepreisen. War das Mobilfunknetz bisher vor allem für mobiles Telefonieren und mobiles Internet ausgelegt, wird es mit 5G zahlreiche weitere Anwendungsfälle gezielt unterstützen. Diese reichen von Industrie 4.0 über Smart Cities und E-Health bis hin zum Connected Car und dem autonomen Fahren. Außerdem legt 5G einen besonderen Schwerpunkt auf den Schutz der Nutzerprivatsphäre. Das ist heutzutage einfach ein Muss und wird ja auch von der DSGVO gefordert.

Welche Rolle wird 5G für Connected Car und autonomes Fahren spielen?

Grobholz: Das vernetzte und selbstfahrende Auto ist einer der Märkte, der durch 5G mutmaßlich am stärksten aufblühen wird. Um ohne menschliches Eingreifen an sein Ziel zu steuern, muss ein solches Fahrzeug präzise Geolocation-Daten verarbeiten und anspruchsvolle Softwareanwendungen nutzen. Tests von autonomer Technologie haben gezeigt, wie kritisch die geringe Latenz und die geografische Verbreitung von 5G für den Erfolg von autonomen Fahrzeugen sein werden. Kommt es bei der Übertragung von Anweisungen an das Fahrzeug über das Netzwerk auch nur zu Verzögerungen von Millisekunden, kann das schon den Unterschied ausmachen zwischen einer erfolgreichen Reise und einem tragischen Unfall.

Wir haben heute insbesondere hier bei uns in Deutschland erhebliche Probleme mit der Geschwindigkeit des Mobilfunknetzes. Kann der neue Mobilfunkstandard daran etwas ändern?

Grobholz: Im 5G-Netz ist die so genannte „Edge Cloud“ vorgesehen. Sie besteht gewissermaßen aus Mini-Rechenzentren, mit denen die einzelnen Funkstationen ausgestattet sind. Das ermöglicht ihnen, benötigte Daten lokal vorzuhalten und damit ohne lange Übertragungswege abzugleichen. Damit können sich etwa autonom fahrende Autos deutlich schneller gegenseitig über ihre geplanten Routen benachrichtigen oder Stauprognosen empfangen. Die Bereitstellung weniger kritischer Informationen, etwa Wettervorhersagen, wird über intelligente Cloud-Server-Algorithmen gesteuert, die nicht unbedingt die kritischen Edge-Kapazitäten benötigen.

Bringt 5G auch Fortschritte in Sachen Sicherheit?

Grobholz: Ja, der neue Mobilfunkstandard bringt zahlreiche neue Sicherungssysteme mit. So werden beispielsweise einzelne Komponenten des Netzes durch verschlüsselte Lösungen voneinander getrennt geschützt. Wird eine Komponente kompromittiert sind die anderen davon nicht betroffen und weiterhin sicher. Um die Sicherheit beim Roaming zu erhöhen, gibt es die neue „Authentication Confirmation“. Wählt sich das Endgerät eines Teilnehmers in ein neues Mobilfunknetz ein, schickt es einen kryptografischen Beweis über die Identität des Netzbetreibers an den heimischen Mobilfunknetzbetreiber. Durch die Einführung der „Subscription Concealed Identifier Services“, kurz SUCI, wird außerdem die Identität der Netzteilnehmer durch Verschlüsselung geschützt. Damit adressiert 5G eine ganz wichtige Datenschutzanforderung.

Wie wird G+D Mobile Security den neuen Mobilfunkstandard unterstützen?

Grobholz: Wir stellen unseren Kunden heute bereits spezielle 5G-SIM-Karten zur Verbindung von Geräten und Objekten mit dem 5G-Netzwerk zur Verfügung. Diese unterstützen alle nötigen Sicherungssysteme. Zusätzlich werden wir mit unserer ID-Service-Plattform Identitäten für die Objekte schaffen, sie mit unserem eSIM-Management-System vernetzen und die Daten in diesem Ökosystem mit unseren Datenschutzlösungen schützen. Um die Standardisierung dieser Produkte und Lösungen für 5G sicherzustellen, engagieren wir uns aktiv in Vereinigungen und Gremien wie der GSMA, der SIMalliance oder dem 3GPP. 5G wird schon bald Realität werden und einen Technologiesprung bedeuten, der neue Marktentwicklungen und große Wachstumschancen mit sich bringt.

Vielen Dank für das Interview.

https://www.gi-de.com

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