Christiane Kühl (SZ Dossier) im Gespräch mit Dennis Kinzelmann, CEO von Mercedes-Benz Special Trucks

Mercedes-Benz Special Trucks setzt auf Skalierung, Standardisierung und autonome Systeme

Sicherheit neu denken heißt industriell denken

Am 12. Februar 2026 fand im Café Luitpold in München im Rahmen der Münchner Sicherheitskonferenz der SZ-Gipfel-Salon unter dem Titel „Sicherheit neu denken – Europas Antwort auf die Rückkehr der Geopolitik“ statt.

Die Süddeutsche Zeitung beschreibt die Lage nüchtern: Der Krieg ist Europa nähergerückt, die USA verfolgen offen territoriale Interessen, Europa sucht nach strategischer Selbstverortung – und in Deutschland wird wieder über die Rückkehr des Wehrdienstes diskutiert. Sicherheitspolitik ist zurück im Zentrum der gesellschaftlichen Debatte.

In diesem Kontext sprach Christiane Kühl (SZ Dossier) mit Dennis Kinzelmann, CEO von Mercedes-Benz Special Trucks. Ich war als Zuhörer vor Ort und habe die Kernaussagen zusammengefasst.


Militärfahrzeuge: kein Neuland, aber neue Dimension

Auf die Frage, wie ein Unimog militärtauglich gemacht wird und wie groß der Aufwand sei, reagierte Kinzelmann klar: „Für uns ist das nichts Neues.“ Der Unimog habe seit Jahrzehnten zivile und militärische Wurzeln. Geländetauglichkeit, Robustheit und modulare Plattformen seien Teil der DNA. Neu sei allerdings die strategische Dimension. Der Fokus liege heute stärker auf Skalierbarkeit und Geschwindigkeit. Verteidigungsfähigkeit bedeute nicht nur Budget, sondern industrielle Lieferfähigkeit. Ein zentrales Element sei die Fähigkeit, Transportkapazitäten schnell hochzufahren.


Autonomie als Schutzfaktor

Besonders deutlich wurde Kinzelmann beim Thema autonomes Fahren. Die Vision: hochgeländegängige Fahrzeuge, die im Einsatz auch ohne Fahrer betrieben werden können. Ziel sei es, Menschen zu schützen und gleichzeitig die operative Leistungsfähigkeit zu erhöhen. „Am Ende wird auch die Ressource Mensch ein limitierender Faktor sein“, sagte Kinzelmann. Autonome Systeme könnten hier einen entscheidenden Beitrag leisten. Die Strategie besteht darin, zivile Entwicklungen – insbesondere im Bereich autonomes Fahren – für militärische Anwendungen nutzbar zu machen. Mercedes-Benz könne auf jahrelange zivile Entwicklungsarbeit zurückgreifen und diese in die Defense-Welt übertragen.


Standardisierung statt Sonderlösung

Ein weiterer Schwerpunkt: Beschaffung „aus dem Regal“. Statt langwieriger Spezialentwicklungen plädiert Kinzelmann für stärkere Orientierung an marktverfügbaren Plattformen. Standardisierung reduziere Kosten, beschleunige Prozesse und ermögliche eine breitere industrielle Beteiligung. Hier sieht das Unternehmen einen strukturellen Vorteil: Die zivile Großserienproduktion – etwa im Werk Wörth – schafft eine völlig andere Skalierungsbasis als spezialisierte Rüstungsanbieter mit kleineren Stückzahlen.


Europäische Resilienz durch Industriekompetenz

Im geopolitischen Kontext des Abends wurde deutlich: Sicherheitspolitik ist heute auch Industriepolitik. Europa müsse nicht nur strategisch denken, sondern auch produzieren können. Lieferketten, Produktionsstandorte und technologische Kompetenz seien entscheidende Faktoren. Die Botschaft aus dem Gespräch im Café Luitpold war klar: Wer „Sicherheit neu denken“ will, muss industrielle Skalierung, Standardisierung und Digitalisierung mitdenken. Verteidigungsfähigkeit entsteht nicht allein in Ministerien – sondern auch in Produktionshallen.

Robert Metzger
CEO & Publisher

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