Flachsfasern statt Carbon: Wie Ottobock Nachhaltigkeit in die Orthopädietechnik bringt

Nachhaltigkeit wird für immer mehr Branchen zu einem entscheidenden Innovationsfaktor – auch dort, wo man sie nicht unbedingt erwartet. Ein beeindruckendes Beispiel dafür liefert die Ottobock SE & Co. KG, die mit ihren Flachsfasern der Produktlinie GreenLine den MATERIALICA Design + Technology Award 2024 in der Kategorie „Process“ gewann.

Orthopädietechnische Hilfsmittel wie Prothesen- und Orthesenschäfte werden traditionell aus Kohlenstoff- oder Glasfasern gefertigt. Diese Materialien bieten zwar hervorragende mechanische Eigenschaften, sind jedoch energieintensiv in der Herstellung und verfügen über eine vergleichsweise hohe CO₂-Bilanz. Genau hier setzt Ottobock mit einem innovativen Fertigungsansatz an.

Die natürlichen Flachsfasern stammen aus der Leinpflanze, einem nachwachsenden Rohstoff, der seit Jahrhunderten in Europa angebaut wird. Während Flachs bislang vor allem in der Textilindustrie Verwendung fand, hat Ottobock das Material für die Anforderungen der modernen Orthopädietechnik weiterentwickelt. Das Ergebnis: eine nachhaltige Alternative zu Glas- und Carbonfasern, die sich in bestehende Fertigungsprozesse integrieren lässt.

Besonders bemerkenswert ist dabei nicht nur das Material selbst, sondern der dahinterstehende Prozess. Ottobock entwickelte speziell abgestimmte, standardisierte und umfassend getestete Legepläne für Flachsfaser-Anwendungen. Dadurch können Orthopädietechniker langlebige und sichere Schäfte herstellen, ohne auf bewährte Arbeitsabläufe verzichten zu müssen. Diese Standardisierung stellt einen wichtigen Schritt für die industrielle Einführung nachhaltiger Naturfaser-Verbundwerkstoffe in der Orthopädietechnik dar.

Auch ökologisch überzeugt die Lösung. Während die Herstellung von Carbonfasern mit hohen CO₂-Emissionen verbunden ist, weist Flachs eine äußerst günstige Klimabilanz auf. Die Leinpflanze bindet während ihres Wachstums CO₂ und macht die Fasergewinnung zu einer besonders ressourcenschonenden Alternative. Gleichzeitig erreichen Flachsfasern mechanische Eigenschaften, die in vielen Anwendungen mit Glasfasern vergleichbar sind.

Für Sanitätshäuser eröffnet dies neue Möglichkeiten, sich mit nachhaltigen Produkten zu differenzieren. Gleichzeitig erhalten Anwender Hilfsmittel, die nicht nur funktional überzeugen, sondern auch ihre persönlichen Werte hinsichtlich Umweltbewusstsein und Nachhaltigkeit widerspiegeln.

Mit der GreenLine-Flachsfaser zeigt Ottobock eindrucksvoll, wie innovative Prozesse dazu beitragen können, etablierte Branchen nachhaltiger zu gestalten. Die Auszeichnung mit dem MATERIALICA Design + Technology Award 2024 unterstreicht das Potenzial dieser Entwicklung und setzt ein wichtiges Signal für die Zukunft ressourcenschonender Materialtechnologien.

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