Volkswagen and RWE are working together to expand the availability of renewable energy sources. Anja-Isabel Dotzenrath and Michael Liebert explain what the two companies are planning.

RWE Renewables/VW im Gespräch: „Wir treiben die Energie- und Verkehrswende gemeinsam an“

Anja-Isabel Dotzenrath, CEO der Ökostrom-Sparte RWE Renewables GmbH und Dr. Michael Liebert, Leiter Unternehmensstrategie & Nachhaltigkeitsstrategie der Marke Volkswagen

Herr Liebert, Volkswagen wird Investitionen in den Ausbau der Solar- und Windenergie im großen Stil unterstützen. Welche Strategie steht dahinter?

Liebert: Der Klimaschutz ist eine zentrale Säule unserer Strategie. Alle Aktivitäten, die aktuell geplant und umgesetzt werden, müssen unserem Leitgedanken des Way to Zero folgen. Um diese Ziele zu erreichen, müssen wir den ganzen Lebenszyklus unserer Fahrzeuge betrachten und die wichtigsten Stellhebel in Bewegung setzen. Dabei ist die effektivste Maßnahme die Elektrifizierung des Antriebs, die insbesondere dann ihre volle Wirkung entfaltet, wenn unsere E-Fahrzeuge mit Strom aus erneuerbaren Energien geladen werden.

Damit das gelingt, treiben wir die Energiewende mit voran. Unser Ziel: Wir wollen dafür sorgen, dass der gesamte Strom, den unsere E-Flotte auf der Straße benötigt, aus erneuerbaren Energien stammt. Dafür machen wir einerseits den Kunden direkte Angebote entlang verschiedener Ladeszenarien. Für Grünstrom-Verträge zu Hause zum Beispiel mit Elli in Deutschland und für Grünstrom unterwegs bei IONITY, unserem High-Power Charging-Netzwerk. Andererseits ermöglichen wir über langfristige Abnahmeverträge mit Partnern der Energiewirtschaft, wie zum Beispiel RWE, Investitionen in zusätzliche Wind- und Solarparks in Europa.

Frau Dotzenrath, die ersten Projekte wurden mit RWE vereinbart. Was ist geplant?

Dotzenrath: Die Kooperation zeigt vor allem eins: E-Mobilität und erneuerbare Energien sind zwei Seiten einer Medaille. Ohne grünen Strom kann es keine nachhaltige Verkehrswende geben. RWE ist einer der weltweit größten Ökostrom-Produzenten, Volkswagen einer der größten Autobauer. Gemeinsam können und wollen wir einen wichtigen Beitrag leisten. Zunächst beschafft RWE für Volkswagen große Mengen grünen Strom aus einem der größten Solarparks in Deutschland. Zudem planen wir neue, eigene Erneuerbaren-Projekte, die durch die Lieferverträge mit Volkswagen einen kräftigen Schub bekommen.

 Wie sieht die Zusammenarbeit zwischen Volkswagen und RWE konkret aus? Und was folgt nach dem ersten Schritt?

Liebert: Wir planen grundsätzlich die Förderung einer Reihe von Projekten mit Partnern aus dem Energiesektor. Viele Vorhaben befinden sich noch im Planungsstadium – umso mehr freuen wir uns darüber, dass wir uns mit RWE bereits auf das erste Projekt geeinigt haben. Volkswagen unterstützt dieses Projekt finanziell, RWE setzt es um. Die Vertragslaufzeit beträgt hier zunächst zehn Jahre. Wir sprechen bei diesem konkreten Projekt über den größten unabhängigen Solarpark in Deutschland. Er wird subventionsfrei im mecklenburgischen Tramm-Göthen errichtet. Nach seiner Fertigstellung Ende 2021 werden knapp 420.000 Module Sonnenlicht in Strom umwandeln, mit einer jährlichen Gesamtkapazität von 170 Gigawattstunden.

 Warum engagiert sich RWE in diesem Vorhaben, Frau Dotzenrath?

Dotzenrath: Die E-Mobilität verbindet den Energie- und den Automobilsektor miteinander, das waren bislang weitestgehend getrennte Welten. Nun treiben wir gemeinsam die Energie- und Verkehrswende an – ein perfektes Beispiel für Sektorkopplung. Großabnehmer für grünen Strom wie Volkswagen helfen, dass neue Wind- und Solarprojekte realisiert werden können. Neben staatlichen Finanzierungsmechanismen sind solche Kooperationen ein wichtiges zusätzliches Finanzierungsinstrument für den Ausbau von grünem Strom. Und das muss noch nicht alles sein: Auch bei Speicherlösungen können und wollen wir noch enger zusammenarbeiten.

Volkswagen will eine CO2-neutrale Mobilität realisieren. Welche Rolle spielt dabei die Energiewende hin zu regenerativem Strom?

Liebert: Wenn wir unsere Elektroautos nicht mit sauberem Strom antreiben, werden wir keine ausreichende CO2-Reduktion erzielen. Für alle Volkswirtschaften ist es wichtig, möglichst schnell einen starken Sektor aus erneuerbaren Energien aufzubauen. Je schneller sich der Energiemix in diese Richtung verändert, desto größer der Klimavorteil der Elektromobilität. Deshalb muss es politische Priorität sein, die Energiewende so rasch wie möglich zu realisieren.

RWE will bei der Energiewende eine führende Rolle übernehmen. Was muss in Deutschland passieren, damit die Ausbauziele bei Ökostrom erreicht werden?

Dotzenrath: Ende des Jahrzehnts sollen in Deutschland 65 Prozent des Stromverbrauchs aus erneuerbaren Energien kommen. Um dieses Ziel zu erreichen, braucht es deutlich mehr Dynamik und Tempo, zumal zahlreiche Experten prognostizieren, dass der Strombedarf durch die zunehmende Elektrifizierung steigen wird. Deutschland braucht daher einen massiven Ausbau von erneuerbaren Energien, Netzen und Speichern. Das geht nicht von alleine – vielmehr müssen jetzt viele Herausforderungen adressiert werden, darunter mehr Akzeptanz von Windkraft an Land, mehr Flächen für Windkraft an Land und auf See oder die Beschleunigung von Genehmigungsverfahren.

Gleichzeitig gibt es einen harten Wettbewerb um Investitionen in erneuerbare Energie weltweit, umso mehr nach den Beschlüssen der EU-Kommission und den Ankündigungen beim Klimagipfel von US-Präsident Biden. Das heißt für Deutschland: Wir brauchen insbesondere für Offshore-Wind einen Regulierungsrahmen, der einen Ausbau tatsächlich gewährleistet, und das zu den geringsten Kosten. Gemeinsam mit fast der gesamten Branche macht sich RWE deshalb für ein Ausschreibungsdesign auf Basis sogenannter Differenzverträge, kurz CfDs, stark. Das klappt in Großbritannien hervorragend, das klappt in Polen und Frankreich: Wir dürfen hier den Anschluss nicht verlieren.

Herr Liebert, wenn Volkswagen Kunden ihr E-Auto ausschließlich mit Grünstrom laden – wie viel CO2 vermeiden sie dann?

Liebert: Wenn wir den ID.301 über eine Laufleistung von 200.000 Kilometern mit einem konventionellen Modell mit Verbrennungsmotor vergleichen, weist er in jedem Fall eine klar positive CO2-Bilanz aus. Wird er mit dem durchschnittlichen EU-Strommix betrieben, dann wird sein Fußabdruck nach 125.000 gefahrenen Kilometern kleiner als der des vergleichbaren Verbrenners. Und beim Laden mit Grünstrom tritt dieser Vorteil schon nach 56.000 Kilometern ein.

Diesen und weitere Beiträge zum Thema Mobilität 4.0 elektrisch-vernetzt-autonom finden Sie im druckfrischen eMove360° Magazin 03/2021. Kostenloses Download-PDF.

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04.10.2021   |  

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