Serie eMove360° „Nachgefragt“: eDumper – Zero-Emission Mining made in Switzerland

Die von der Kuhn Schweiz AG und Lithium Storage GmbH gemeinsam gegründete eMining AG gewann mit ihrem eDumper in der Kategorie Elektrofahrzeuge vor den Mitfinalisten AtTrack, TUMcreate und Volkswagen den eMove360° Award 2017. Roger Miauton war damals nach München angereist. Hier sprechen wir mit ihm darüber, was aus dem von der Jury als Perpetuum Mobile gelobten eDumper geworden ist.

Gesprächspartner Roger Miauton, Foto: eMiningAG/Andreas Sutter

Herr Miauton, Sie haben im Oktober 2017 persönlich die Trophäe des eMove360° Award entgegengenommen. Können Sie sich noch an diesen Abend erinnern?
Roger Miauton: Ja, sehr gut sogar. Es war ein ganz besonderer Moment für mich. Ich war natürlich sehr stolz, etwas Außergewöhnliches erreicht zu haben. Die Preisverleihung fand während einer feierlichen Galaveranstaltung in der Glyptothek in München statt. Neben mir saßen die Bayerische Staatsministerin, Ilse Aigner, die Laudatio hielt Schauspieler, Autor und Dokumentarfilmer Hannes Jaenicke. Auch TV-Journalistin und Autorin Nina Ruge und Schauspielerin Nadeschda Brennicke waren als Laudatoren im Saal. Nicht zuletzt die namhaften Juroren, die uns den Preis zugesprochen hatten. Ich erinnere mich sehr gerne an diesen Moment.

Können Sie unseren Lesern noch einmal kurz das Prinzip des Fahrzeugs erklären?
Miauton: Der in der Schweiz umgebaute, rein elektrische Komatsu 605 HD verbraucht keinen Dieseltreibstoff und produziert bei seinen täglichen rund 20 Fahrten kein CO₂. Die 123 Tonnen (Gesamtgewicht) Maschine generiert dabei Strom, der in der größten je in einem Fahrzeug installierten Batterie gespeichert wird. Mit einem Teil dieser Energie fährt er wieder in das höhergelegene Abbaugebiet zurück. Der Überschuss wird abends ins Netz eingespeist.

Wie kam es zum eDumper? Und wie wurde die Idee umgesetzt?
Die Ciments Vigier SA hat ein Team von Ingenieuren und Fahrzeugbauern beauftragt, zusammen mit verschiedenen Fachhochschulen und der Eidgenössischen Materialprüfungsanstalt, EMPA, dieses Fahrzeug bis Anfang 2017 zu planen und zu konzipieren und bis Sommer 2017 zu bauen. Nach der Entfernung des Dieselmotors, des Kühlers und des Tanks wurde das Fahrgestell des Komatsu 605 HD mit einem 600 Kilowattstunden und 4.5 Tonnen schweren Akku ausgestattet. Das entspricht neun starken TeslaBatterien in einem einzigen Fahrzeug. Zusätzlich zum Hauptantrieb verfügt der eDumper noch über einen 200-Kilowatt-Elektromotor, der die Hydropumpen antreibt.

Was war die größte technische Herausforderung?
Miauton: Eine große Herausforderung bildet die technische Abbildung der riesigen Drehmomente. Elektromotoren bieten Drehmomente von tausenden von Newtonmetern (Nm) und einen weit höheren Drehzahlbereich. Beim Energiebedarf nicht zu unterschätzen sind die zahlreichen Nebenantriebe (z. B. Hydropumpen, Kühlanlagen). Im Rahmen der Rekuperation der Bremsenergie fallen bei elektrischen Großfahrzeugen extrem hohe Ladeströme an.

Ist der eDumper im Einsatz?
Miauton: Ja, seit April 2018 kann man ihn im Steinbruch der Firma Vigier Ciment im Berner Jura bestaunen: den Muldenkipper Lynx – zu Deutsch Luchs. Es ist der erste seiner Art mit einem reinen Elektroantrieb. Mit jeder Fahrt transportiert der eDumper 65 Tonnen Kalk- und Mergelstein – vom Abbaugebiet über eine Strecke mit einem 13-prozentigen Gefälle bis zur tiefergelegenen Verarbeitungsanlage. Dabei werden die Batterien mittels Rekuperation der Bremsenergie aufgeladen. Diese Energie nutzt der LKW anschließend, um wieder nach oben in den Steinbruch zu fahren. Laut Berechnungen sollte das Fahrzeug bei der Abfahrt mehr Strom als nötig produzieren und die überschüssige Energie ins Netz einspeisen. Über zehn Jahre lang soll er für Vigier Ciment rund 3.000.000 Tonnen Gestein transportieren und dabei 1300 Tonnen CO₂ einsparen.

Gibt es neben der Firma Vigier Ciment weitere Nutzer des eDumpers?
Miauton: Vigier Ciment ist sehr zufrieden und hat vor, weitere ein bis zwei Fahrzeuge zu bestellen. Mit anderen Interessenten sind wir im Gespräch.

Was zeichnet den eDumper besonders aus?
Miauton: Neben den Debatten rund um das Thema CO₂-Reduktion zeigt unser eDumper anschaulich, dass batteriebetriebene Fahrzeuge unabhängig von ihrem Gesamtgewicht wirtschaftlich betrieben werden können und die Energierückgewinnung im großen Stil tatsächliche Vorteile bringt. 50.000 Liter Diesel und 130 Tonnen CO₂-Einsparung sind überzeugende Argumente.

eMining ist nun unter dem Dach von Lithium System? Ein Vorteil?
Miauton: Ja, definitiv. Lithium System verfügt über neue Investoren und wird weiter ausgebaut. Im Zuge einer Kapitalerhöhung wird nun auch die Rechtsform in eine AG umgewandelt. Bergbau (Großfahrzeuge), Schifffahrt (Fähren, Passagierschiffe) und Netzspeicher sind die Hauptausrichtungen. Auch der Vertrieb ist nun in Händen von diesem erfahrenen Kooperationspartner.

Gibt es schon andere Projekte?
Miauton: Ich kann in dieser Phase leider nicht mehr verraten als das: Es wird noch Überraschungen geben.
Das klingt auf jeden Fall spannend. Vielleicht sehen wir uns ja wieder einmal auf der Bühne, wenn der eMove360° Award verliehen wird.

Das Gespräch führte Sabine Metzger. Weitere Informationen: www.lithiumsystem.eu

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14.04.2021   |  

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