Balanceakt an der Stromtankstelle

Elektroautos sind im Kommen. Doch wenn viele E-Mobile gleichzeitig in der Garage eines Mehrfamilienhauses tanken, droht eine Überlastung der Netzinfrastruktur. Gemeinsam mit dem Start-up ENIO bietet die Telekom deswegen eine intelligente Lade-Infrastruktur an.Bild Balanceakt an der Stromtankstelle klein

„Alternative Antriebe sind gefragt“, titelt das deutsche Kraftfahrtbundesamt über einem Bericht zur den neuzugelassenen Fahrzeugen in 2013. Die Zahl der Elektro-Pkw hatte sich von 2012 auf 2013 verdoppelt und stieg bis 2014 noch einmal um 70 Prozent auf rund 12.000. Die Bundesregierung verspricht zudem weitere Kaufanreize für Elektroautos. Der federführende Verkehrsausschuss hat dem Regierungsentwurf für ein Elektromobilitätsgesetz zugestimmt. Jetzt fehlt nur noch die Zustimmung des Bundestages. Der Entwurf sieht vor, dass Kommunen für Elektroautos künftig Standplätze an Ladesäulen reservieren, Parkplätze kostenlos anbieten oder ihnen Busspuren öffnen können.

Je mehr Elektroautos auf deutschen Straßen fahren, desto stärker wächst der Bedarf an Strom-Ladestellen. Doch tanken viele Elektrofahrzeuge zur gleichen Zeit am gleichen Ort, droht der Ladeinfrastruktur eine Überlastung. Aufgrund des intensiveren Strombedarfs zahlt der Betreiber zudem eine höhere Bereitstellungsgebühr. Die Telekom bietet gemeinsam mit dem österreichischen Start-up Enio eine Lösung, die das verhindern soll. Mit SIM-Karten ausgestattete Ladesäulen ermöglichen ein intelligentes Energie- und Lastmanagement. Die jeweiligen Ladestellen sind mit einem von der Telekom betriebenen Backend-System verbunden. Ladestellen, Backend und Energiebetreiber tauschen kontinuierlich Daten aus wie die aktuelle Stromauslastung im Netz, die Anzahl der angedockten E-Fahrzeuge und deren Ladestatus.

Individuell Strom bestellen

Mithilfe der vorhandenen Daten verteilt die das System die Last über einen längeren Zeitraum und verhindert so eine Überlastung. Zusätzlich werden Informationen erfasst welches Auto wann wie viel Strom geladen hat. Das ermöglicht eine individuelle Abrechnung, zum Beispiel in Mehrfamilienhäusern. Besitzer eines Elektroautos tanken damit in der Tiefgarage nicht mehr gemeinschaftlich bezahlten Strom, die intelligente Ladesäule ermöglicht eine individuelle Betriebskostenabrechnung.

Ein besonderer Vorteil für den Kunden: Er kann der Ladesäule per App mitteilen, wie schnell sein Auto geladen werden muss. Gibt also ein Mieter an, dass er „eilig“ tanken will, wird der Akku seines Wagens zuerst aufgeladen. Dafür kann der Betreiber einen Aufpreis verlangen. Fahrer, die „smart“ wählen, laden ihren Pkw mit einem günstigeren Tarif.
Die Lösung ermöglicht zudem das günstige Errichten des elektrischen Teils der E-Ladeinfrastruktur. Bisher mussten dicke Kupferkabel zu den Ladesäulen verlegt werden, um höhere Lasten zu ermöglichen. Dank des Lastmanagements reichen nun dünnere Kabel. Die Hausgemeinschaft spart damit einen großen Teil des teuren Materials und Installationsaufwand.

Gemeinsam für Elektromobilität

Enio hat das Lademanagement-System entwickelt. Die Telekom hat das System in ihre Internet Business Suite (IBS) integriert, betreibt das Backend in ihrer hochsicheren Cloud und kümmert sich um die Abrechnung. Telekom und Enio betreiben für ihre Kunden vorwiegend in Deutschland, Österreich und skandinavischen Ländern bereits mehr als 1000 intelligente Ladestellen. So steuert zum Beispiel die T-Systems Austria ihre konzerneigenen Ladestellen über die Lösung. Bereits installierte Säulen verschiedenster Ladestellen-Hardwareanbieter lassen sich zudem mit einem Modem inklusive Telekom M2M SIM-Karte nachrüsten.

www.telekom.de
www.enio.at

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12.03.2015   |  

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