Elektrisch mobil ohne Grenzen in Europa – das Green eMotion Projekt

Ein wahre Geschichte: Familie Grün ist seit kurzem Besitzer eines Elektrofahrzeugs, das sie als Zweitwagen nutzt. Ihre Entscheidung für ein Elektrofahrzeug war „eMotional“ bedingt. Fast geräuschloses Fahren, einzigartige Beschleunigung, Laden zuhause mit eigenerzeugtem Strom aus der Photovoltaikanlage.

Leider ist ihre „Emotion“ noch getrübt: Die Reichweite ihres E-Fahrzeugs ist beschränkt und die Zahl der öffentlichen Ladesäulen ist gering. Laden unterwegs auf dem Land oder in der Stadt wird zum Abenteuer. “Komme ich an, ohne dass mir der Saft ausgeht?” fragt sich oft Herr Grün der gelegentlich sein E-Fahrzeug für Geschäftsreisen im Umkreis nutz. Verschiedene Anbieter von öffentlichem Laden erfordern mehrere RFID Karten oder verschiedene Smartphone Apps und Verträge, Pre-paid usw. All das macht es schwer, überall bequem zu laden. Darüber hinaus muss er erst mal eine freie Ladesäule in passender Entfernung finden und sie am besten gleich noch reservieren können.Bild Green eMotion klein

Das Projekt Green eMotion hat es sich zum Ziel gesetzt eine Lösung für genau diese Probleme zu finden. Die IKT Systeme aller beteiligten Unternehmen werden über einen sogenannten Marktplatz vernetzt, damit der Fahrer bequem die optimalen Ladegelegenheiten auf seinem Weg finden und nutzen kann. Da die Vernetzung auch den Austausch von Echtzeitdaten ermöglicht, kann sichergestellt werden, dass die Ladesäule zur Verfügung steht und eine Reservierung durchgeführt werden kann. All dies sollte in Zukunft in ganz Europa selbstverständlich sein, so wie wir heute unser Handy oder Smartphone auch überall und jederzeit benutzen können.

Um Elektromobilitätsdienste, wie Laden, Suchen und Reservieren von Ladesäulen, europaweit anbieten zu können, müssen alle involvierten IKT-Systeme miteinander vernetzt werden. Im Projekt Green eMotion wurde dafür der Marktplatz entwickelt. An diesen können sich die europäischen Elektromobilitätsanbieter und die europäischen Ladesäulenbetreiber anbinden. Der Elektromobilitätsanbieter hat mit dem Fahrer einen Vertrag, der ihm das Laden ermöglicht, unabhängig davon, wer der Betreiber der Ladesäulen ist. Dafür stellt der Elektromobilitätsanbieter dem Fahrer eine Rechnung, entweder leistungsbezogen oder als Flatrate. Der Ladesäulenbetreiber hingegen hat keinen direkten Vertrag mit dem Fahrer und erhält das Entgelt für die Benutzung seiner Säulen vom Elektromobilitätsanbieter. Damit beide miteinander abrechnen können, wird das Clearinghouse benötigt. Der Elektromobilitätsanbieter kann dem Fahrer auch weitere Dienste wie Ladesäulensuche oder -reservierung anbieten, weil über den Marktplatz die Daten aller angebundenen Ladesäulen verfügbar sind.

Dieser B2B-Marktplatz für Geschäftstransaktionen verbindet erstmalig alle Elektromobilitäts-Teilnehmer: Elektromobilitätsanbieter, Ladestationsbetreiber, Energieversorger und Anbieter von Zusatzdiensten rund um die Elektromobilität. Das entsprechende Angebot an Diensten, wie zum Beispiel Roaming, also die Nutzung von Ladesäulen außerhalb der Zuständigkeit des vertraglichen Elektromobilitätsanbieters, ist damit europaweit möglich – ähnlich wie heute bei Mobiltelefonen. Zudem steht der Markplatz weiteren Anbietern von Diensten offen, die somit innovative neue Konzepte für Elektromobilität unkompliziert und im freien Wettbewerb anbieten können.

Der Hauptvorteil des Marktplatzes, realisiert im Green eMotion Projekt auf einer flexiblen Cloud Infrastruktur von IBM, ist die Reduktion der Anzahl von Schnittstellen zwischen den Beteiligten. Über offene Software-Services wird damit ein einfacher Zugang zu den Diensten möglich. Der Marktplatz als Routingsystem ist auch für das Datenvolumen eines Massenmarktes geeignet und damit eine zukunftsfähige Systemlösung.

Praktisch alle 10 Demoregionen des Projektes Green eMotion in Europa werden den Marktplatz nutzen, um die Funktionsfähigkeit des Konzepts zu demonstrieren. Sie binden dazu ihre IT-Systeme über die offenen Schnittstellen an den Marktplatz an. Damit können Sie ihren Kunden den Dienst Clearinghouse für europaweites Roaming und die Suche von Ladesäulen anbieten.

Green eMotion zeigt, dass eine einfache und bequeme Nutzung der europäischen Ladeinfrastruktur durch alle Elektroautofahrer möglich ist. Dazu müssen die verfügbaren Ladesäulen über die IT Systeme so angebundenen werden, dass die Elektromobilitätsanbieter ihren Kunden diese europaweit zur Verfügung stellen können. Green eMotion hat die dazu erforderliche Architektur und die Schnittstellen definiert und ein Demonstrationssystem aufgebaut. Eine dauerhafte Realisierung für Europa kann und muss durch kommerzielle Betreiber umgesetzt werden, wobei auch mehrere Markplätze beteiligt sein können, die dann miteinander zu vernetzen sind.

Eine wichtige Voraussetzung dafür sind standardisierte Schnittstellen und Business Objekte. Daran arbeitet die Industrieinitiative „eMobility ICT Interoperability Innovation Group“ (eMI3), die unter Beteiligung von Green eMotion 2012 gegründet wurde und bei der immer mehr Partner aus verschiedenen Branchen mitarbeiten.

Familie Grün kann sich freuen. In naher Zukunft kann es bald Wirklichkeit werden, Dank der Green eMotion Ergebnisse wird ihre “eMotion” nicht nur lokal begrenzt bleiben, sondern sie werden europaweit ohne Grenzen eMobil sein.

Autoren
Dr. Heike Barlag, Siemens AG, Koordinatorin des Projekts Green eMotion, www.siemens.de
Volker Fricke, IBM Deutschland, Leiter des IKT Arbeitspakets in Green eMotion, www.ibm.com/de/de/
Silvio Weeren, IBM Deutschland, Vorsitzender der eMI3, www.ibm.com/de/de/

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