Neue Weichenstellung zur Entwicklung von Elektromobilität in China

Seit dem 1. September werden alle Fahrzeuge mit alternativen Antrieben, sowohl in China produzierte als auch importierte, von der Fahrzeugkaufsteuer befreit, was einer Preisreduktion von rund 10 Prozent entspricht. Die chinesische Zentralregierung hat bereits 2009 damit begonnen umfassende Subventionen und Initiativen zur Förderung von Elektromobilität einzuführen. Im Jahr 2014 wurden diese Anstrengungen nochmals deutlich verstärkt.Bild Neue Weichenstellung zur Entwicklung von klein

Laut Statistik der China Association of Automobile Manufacturers wurden in der ersten Jahreshälfte 2014 knapp 21.000 Fahrzeuge mit alternativen Antrieben – dies bezieht sich sowohl auf reine Elektroautos als auch Hybridfahrzeuge – hergestellt und annähernd ebenso viele verkauft, was einem 3,5-fachen Anstieg im Vergleich zur ersten Jahreshälfte 2013 entspricht. Diese enorme Steigerung der Nachfrage ist nicht zuletzt auch das Ergebnis der neuen breiter gefächerten Förderpolitik in China, welche im Folgenden detaillierter vorgestellt werden soll.

Ausweitung der Pilotregionen und verstärkte Nutzung im öffentlichen Bereich

Im Rahmen des bereits initiierten Subventionsprogramms wurde die Anzahl der Pilotstädte zur Förderung der Elektromobilität im Februar 2014 von 25 auf insgesamt 40 erweitert – vor allem die Provinzhauptstädte im Nordosten Chinas sind hierbei nun stärker vertreten.

Gleichzeitig wurden auch die Ziele für diese neuen Schlüsselregionen deutlich erhöht. Bis 2015 sollen dort jeweils 10.000 neue Elektrofahrzeuge auf die Straßen gebracht werden, in den meisten anderen Regionen sind es im Vergleich dazu lediglich 5.000. Eine weitere bedeutende Änderung betrifft die Förderung von Herstellern auf lokaler Ebene, welche nun nicht mehr so stark im Fokus der Bemühungen stehen sollen wie in der Vergangenheit. Ihr Anteil soll sich auf maximal 30 Prozent der subventionierten Fahrzeuge belaufen. Des Weiteren werden auch staatliche Behörden und öffentliche Institutionen durch eine neue Richtline, die “Government Agencies New Energy Vehicles Purchase Directive”, welche im Juli 2014 veröffentlicht wurde, dazu angehalten stärker in Elektrofahrzeuge zu investieren. Zwischen 2014 und 2016 sollen demnach Elektroautos in den Fuhrparks der Behörden der Pilotstädte einen Anteil von mindestens 30 Prozent ausmachen. Insgesamt geben die staatlichen Stellen aller Pilotregionen laut offiziellen Statistiken bereits jetzt rund 100 Milliarden CNY jährlich für neue Fahrzeuge aus. Durch die neue Richtlinie wird in den nächsten drei Jahren mit einem Zuwachs von mindestens 30 Milliarden CNY pro Jahr, allein von staatlicher Seite, für den Elektromobilitätsmarkt gerechnet.

Subventionen, Steuererleichterungen und vergünstigte Strompreise

Für private Käufer werden ebenfalls neue Anreize zum Erwerb von Elektrofahrzeugen geschaffen. Seit dem 1. September werden alle Fahrzeuge mit alternativen Antrieben, sowohl in China produzierte als auch importierte, von der Fahrzeugkaufsteuer befreit, was einer Preisreduktion von rund 10 Prozent entspricht. Diese Regelung soll vorläufig bis Ende des Jahres 2017 in Kraft bleiben. Auch im Bereich des öffentlichen Personenverkehrs wird mehr und mehr auf Elektromobilität gesetzt. Während die hohen Subventionen für fossile Kraftstoffe im Laufe der nächsten Jahre reduziert werden, soll gleichzeitig die finanzielle Unterstützung für elektrisch angetriebene Transportmittel schrittweise erhöht werden. Eine Modernisierung insbesondere der Busflotten der großen Städte könnte damit begünstigt werden.

Weitere Subventionen wurden auch am Strommarkt eingeführt. Die Nationale Entwicklungsund Reformkommission (NDRC) hat dazu im Juli 2014 mit der “Notice on Electric Car Electricity Pricing Policy and Related Issues” einen neuen Leitfaden zur Regelung der Preispolitik herausgegeben. An Ladestationen im öffentlichen Raum bezahlen die Verbraucher für das Aufladen ihrer Batterien nun vergünstigte Preise, die in etwa auf dem Niveau von Industriestrom liegen. Bis 2020 sind diese Stationen ebenfalls von den Basiskosten für Strom befreit. Private Ladegeräte in Wohnsiedlungen oder Familienhäusern werden die Energie zu regulären Haushaltsstrompreisen beziehen können. Außerdem sollen erstmals unterschiedliche Preise für nachfragestarke und –schwache Zeiten eingeführt werden.

Markteintrittserleichterungen für ausländische Unternehmen und Abbau von Protektionismus

Während bislang die Subventionen hauptsächlich auf einheimische Hersteller insbesondere auf lokaler Ebene fokussiert waren, werden nun, wie bereits erwähnt, erstmals auch importierte Elektrofahrzeuge staatlich gefördert. Dies geschieht in einem größeren Kontext, in dem begonnen wurde landesweite Standards für Fahrzeuge und Ladeinfrastruktur einzuführen und diese strikter zu kontrollieren. Die bisherige Praxis lokal unterschiedlicher Systeme und Angebote bei der Ladeinfrastruktur und vor allem die Begünstigung lokaler Unternehmen und Anbieter soll schrittweise abgeschafft werden.

Darüber hinaus soll das Angebot der Stromversorgung langsam diversifiziert und durch mehr Wettbewerb bestimmt werden. Während derzeit staatliche Netzbetreiber wie State Grid den Markt dominieren, werden seit Mai dieses Jahres auch nicht-staatliche Investitionen in den Bereichen dezentraler Stromversorgung und Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge zugelassen, weshalb in Zukunft die Rahmenbedingungen und Anforderungen für den Markteintritt in diesen Bereichen klarer formuliert werden sollen. Dies wird besonders für ausländische Unternehmen interessant, die auf diesem Markt aktiv werden möchten.

Weitere Förderungsmaßnahmen in absehbarer Zukunft

Zusammengenommen stellen die beschriebenen Maßnahmen also die bisher umfassendsten Initiativen zur Förderung von Elektromobilität im Reich der Mitte dar. Dies betrifft sowohl die Ausweitung auf eine größere Anzahl von Städten und Provinzen sowie die stärkere Durchdringung der lokalen Ebenen, als auch die finanzielle Unterstützung privater Käufer durch Steuerbefreiungen, vergünstigte Strompreise und die Erweiterung des Angebots durch die leichtere Zulassung ausländischer Firmen und Modelle. Insbesondere der Abbau der lokalen Hemmnisse für, vor Ort nicht ansässige, chinesische und ausländische Unternehmen, sowie die Öffnung des Marktes für Stromversorgung und Ladeinfrastruktur können als Durchbruch bewertet werden.

Weitere finanzielle Subventionen, insbesondere für Privatkunden sind bereits geplant. So sollen Elektrofahrzeuge in Zukunft von weiteren Steuern, wie der “Automobilkonsumsteuer” und der “Vehikelund Fortbewegungsmittelsteuer” befreit werden. Ende des Jahres soll von der Regierung bereits das Budget für die finanzielle Förderung für den Zeitraum 2016 bis 2020 veröffentlicht werden, was dem Markt für Elektromobilität in China und den involvierten Akteuren weiteren Antrieb verleihen dürfte.

Quelle: www.econet-china.com

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