Interview mit Fredrik Hjelm, Voi: Über Datenkraken, Dieselbusse und andere Fabeltiere – jetzt mal ehrlich

„E-Scooter sind Datenkraken“, „E-Scooter erzeugen mehr Treibhausgasemissionen als ein Dieselbus“, „Roller-Koller“, „Chef von E-Scooter Firma sagt Pleiten voraus“ – diese und weitere ähnlich unheilschwangere Titel tragen Meldungen, die im letzten halben Jahr in Deutschland über E-Scooter erschienen sind.

Dabei gibt es zum jetzigen Zeitpunkt keine ausreichenden Studien oder Belege, die solche Annahmen unterstützen würden. Tatsächlich erwähnen sogar selbst die Artikel, die den ersten E-Scooteranbietern das Aus prophezeien quasi im selben Atemzug, welche Millionensummen die meisten dieser angeblich halb bankrotten Unternehmen jüngst von Investoren eingesammelt haben.

Vielmehr spiegelt sich in der öffentlichen Meinung über E-Scooter eine Angst vor Veränderung: Wenn die Vision der E-Scooterbetreiber und ihrer Unternehmen von der autofreien Stadt am Ende doch umsetzbar wäre, dann stünde man plötzlich sehr schlecht da. Denn Autos sind einer der größten Klimasünder in Deutschland – und fast jeder zweite besitzt eines. Die E-Scooter und das Sharingmodell hingegen sind noch sehr neu und das Konzept dahinter für viele unverständlich. Das kann abschreckend wirken und zu Negativspekulationen anregen.

Deshalb wollen wir der Veränderung auch gemeinsam entgegentreten: Wir bei Voi sehen uns nicht als heilsbringende Retter, die das Problem der Verkehrswende über Nacht gelöst hätten und zum Krieg gegen das Automobil aufrufen. Unsere E-Scooter sind ein neues Angebot, eine Ergänzung zu bestehenden Verkehrsangeboten, die sich gerade erst in der Anfangsphase befindet.

Aus diesen Gründen sehen wir das uns entgegengebrachte Misstrauen auch nicht als Antipathie, sondern als eine Chance. Es zeigt uns, dass die Menschen unsere E-Scooter sehr ernst nehmen und sich tatsächlich Gedanken darüber machen, ob Mikromobilität nicht tatsächlich in der Zukunft mehr und mehr Autofahrten wird ersetzen können. Um diesen offenen Dialog weiter anzukurbeln, geben wir deshalb gerne einige Antworten auf die Fragen, die die Menschen in Deutschland beschäftigen.

Sammeln Vois E-Scooter Daten?

Ja, unsere E-Scooter sammeln Bewegungsdaten. Damit unser Angebot optimal funktioniert, schauen wir uns an, wo die Menschen viel mit dem E-Scooter fahren und stellen dort mehr Fahrzeuge zur Verfügung. Auf diese Art und Weise sind wir in den letzten Monaten zunehmend in Außenbezirke und Gebiete jenseits der Innenstadtbereiche expandiert, weil wir gesehen haben, dass viele Fahrten in diese Richtungen gegangen sind. Was wir hingegen nicht machen, ist die Daten an Dritte zu verkaufen. Die Daten werden allein dafür verwendet, dass jeder, der gerade auf der Suche nach einem E-Scooter ist, möglichst in der Nähe fündig wird! Eine Ausnahme bilden unsere Städtekooperationen: Wir geben aggregierte Bewegungsdaten an lokale Behörden weiter, um gemeinsam den städtischen Verkehrsmix zu optimieren und dabei zu helfen, die Vielzahl neuer Mobilitätsdienste an bestehende Angebote anzuschließen.

Wie klimafreundlich sind Vois E-Scooter?

Unsere Vision ist es, Städte frei von Lärm und Schadstoffbelastung zu schaffen und wir setzen alles daran, ein Zeichen gegen den Klimawandel zu setzen. Für uns bedeutet das viel harte Arbeit, vor allem beim Recycling und der Logistik unserer E-Scooter. Und wir machen hier sehr gute Fortschritte: Aus einer in den nächsten Tagen erscheinenden Studie von Ernst & Young geht hervor, dass unsere E-Scooter bis zu 60% weniger Co2 ausstoßen, als noch in der im Sommer diesen Jahres herausgegebenen North Carolina Studie angenommen. Mit der Einführung unseres neuen E-Scooters im Herbst haben wir die Lebensdauer unserer Modelle auf über 12 Monate erhöht und uns zusätzlich vorgenommen, diese Zahl noch zu verdoppeln. Dazu holen wir alle unsere E-Scooter für regelmäßige Wartungsarbeiten von der Straße und recyclen alle Teile fachgerecht – entweder als Ersatzteil oder bei professionellen Recyclingpartnern. Um unseren Logistikaufwand so zuverlässig und nachhaltig wie möglich zu halten und weil es außerdem unserer schwedischen Mentalität widerspricht, beschäftigen wir keine freiberuflichen Hunter. Stattdessen sorgt ein internes Team aus Flottenpersonal in Kooperation mit professionellen Logistikpartnern dafür, dass die Wege zwischen den E-Scootern beim Einsammeln so kurz und effizient wie möglich sind. Dabei setzen wir zunehmend auf elektrische Vans und laden unsere E-Scooter mit Ökostrom. Wer mit einem Voi fährt kann also sicher sein, dass wir alles daran setzen, eine neutrale Klimabilanz zu erreichen. Für 2020 haben wir uns zusätzlich das ehrgeizige Ziel gesetzt, in unseren Operationen komplett emissionsfrei zu werden. Dazu statten wir unser neues E-Scootermodell, den Voiager 3, mit austauschbaren Batterien aus. Diese können dann auch mit E-Cargobikes ausgetauscht werden – dadurch entfallen Kraftfahrzeugfahrten zum Einsammeln und Laden der E-Scooter. Wie eine im November erschienene Studie der Wirtschaftsberater McKinsey zeigt, könnten durch gezielte Investitionen in Infrastruktur für Mikromobilität in Städten wie München schon 2030 jährlich 80.000 Tonnen Co2 eingespart und 130 Hektar Grünflächen im urbanen Raum dazu gewonnen werden.

Ist Voi egal, wie die Roller geparkt werden?

Uns ist bewusst, dass einige Menschen unsere E-Scooter achtlos parken und sie nicht so liebevoll behandeln, wie wir es uns wünschen. Deshalb stehen wir im engen Austausch mit den Städten – jeder uns gemeldete E-Scooter, der falsch geparkt ist, wird innerhalb von 24 Stunden lokalisiert und umgestellt. In Stockholm testen wir gerade in einer Pilotphase feste Parkstationen für unsere E-Scooter, die in der Zukunft auch nach Deutschland kommen könnten. Für uns ist es besonders wichtig, dass die E-Scooter für niemanden zur Behinderung werden und wir kritisieren das Verhalten der Nutzer, die sich nicht an die Regeln halten – in Punkto Vandalismus verfolgen wir eine „Null-Toleranz“ Politik und gehen allen Fällen gesondert nach. Nach aktueller Auslegung der DSGVO ist noch nicht klar, inwiefern es uns ermöglicht wird, Bußgeldbescheide an Nutzer weiterzugeben. Sollte sich eine solche Möglichkeit eröffnen, würden wir das sehr begrüßen und unseren Beitrag zur Reglementierung des deutschen Straßenverkehrs leisten.

https://www.voiscooters.com

19.12.2019   |  

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