Optimiertes Kurvenbremsen: Neue Funktion verleiht Motorrädern mehr Stabilität

Der internationale Automobilzulieferer Continental, der seit über zehn Jahren Antiblockiersysteme für Motorräder entwickelt und produziert, hat sein Motorrad-Integralbremssystem (MIB) um eine neue Funktion erweitert: das optimierte Kurvenbremsen – für sicheres Bremsen auch in Kurven. „Dank optimiertem Kurvenbremsen werden Kurvenfahrten stabiler und somit berechenbarer. Die Gefahr von Kurvenunfällen wird verringert, die Sicherheit gesteigert“, sagte Ronan Le Roy, Leiter des Motorradgeschäfts im Geschäftsbereich Vehicle Dynamics der Division Chassis & Safety bei Continental.Bild Optimiertes Kurvenbremsen klein

Erstmals geht die Funktion für leistungsstarke Motorräder im Frühsommer 2015 bei der neuen S 1000 XR von BMW Motorrad in Serie.

Antiblockiersysteme (ABS) für Motorräder sind bislang dafür ausgelegt, die Fahrstabilität bei Geradeaus-Vollbremsungen aufrechtzuerhalten. Gerade in Kurven muss die Bremse sanft dosiert werden, damit die Fahrt nicht abrupt mit einem Sturz endet. „Beim optimierten Kurvenbremsen berücksichtigt das Bremssystem die Schräglage des Motorrads. Abhängig von der Schräglage wird der Eintritt in die ABS-Regelung sensibler und die Druckmodulation geschmeidiger, um die Fahrbarkeit des Fahrzeugs in Kurven zu verbessern“, sagte Lothar Kienle, Leiter Entwicklung Motorrad im Geschäftsbereich Vehicle Dynamics. Das Motorrad-Integralbremssystem sorgt aktiv dafür, dass die Bremsdrücke an Vorder- und Hinterrad immer in einem optimalen Verhältnis zueinander stehen. Das Motorrad wird insgesamt stabiler und setzt die Bremsanforderungen des Fahrers ohne starke Lastwechsel um – eine Voraussetzung für maximale Dynamik und ungetrübten Fahrspaß verbunden mit einem beruhigenden Gefühl an Sicherheit.

Optimiertes Kurvenbremsen verbessert die Fahrdynamik und bietet ein Plus an Sicherheit

Entscheidend beim optimierten Kurvenbremsen ist das Zusammenspiel zwischen dem MIB und der in einer Sensorbox integrierten, umfangreichen Sensorik und cleveren Algorithmen. Das ABS passt die ABS-Regelung abhängig von der jeweiligen Fahrsituation dem Schräglagenwinkel des Motorrads an. Für die Ermittlung der Schräglage des Motorrads werden die Signale für Roll- und Gierrate sowie Querbeschleunigung des Sensorclusters herangezogen, die rund einhundert Mal pro Sekunde kontrolliert werden. Mit zunehmender Schräglage wird der Bremsdruckgradient bei Bremsbeginn immer weiter limitiert. Hierdurch erfolgt der Druckaufbau zielgerichteter. Zusätzlich erfolgt die Druckmodulation im Bereich der ABS-Regelung sanfter. Ein sensibles Ansprechen sowie hohe Brems- und Fahrstabilität bei bestmöglicher Verzögerung auch in Kurven sind die Vorteile des optimierten Kurvenbremsens für den Fahrer.

Mit dem System lassen sich eine Reihe weiterer Fahrdynamik-Sicherheitsfunktionen realisieren, die den Herstellern und Fahrern zusätzliche Vorteile bieten:

– Besonders feinfühlige Abhebeerkennung des Hinterrads für optimale Verzögerung und Stabilität (Rear Wheel Lift-Off Protection, RLP)
– Bei der elektronischen Traktionskontrolle (Traction Control System, TCS) greift die Regelelektronik ein, wenn das Zweirad durch zu hohe Geschwindigkeit, extreme Schräglage oder zu viel Schlupf außer Kontrolle zu geraten droht. Via Motormanagement und/oder Bremse wird die Leistung so eingeregelt, dass ein stabiler Fahrzeugzustand erreicht wird.
– Die Wheely-Kontrolle verhindert das Aufsteigen des Vorderrads beim Beschleunigen durch die Regelung des Motordrehmoments.

Lebensretter ABS: Europäische Union schafft gesetzliche Regelungen

Genau wie beim Pkw sind Antiblockiersysteme bei Motorrädern wichtig, damit das Fahrzeug bei einer Vollbremsung stabil bleibt, das Vorderrad nicht blockiert und damit ein Sturz vermieden wird. „Studien zeigen, dass durch die Ausstattung von Motorrädern mit ABS zwischen 20 und 30 Prozent der Unfälle verhindert werden könnten“, so Ronan Le Roy. „Mit dem flächendeckenden Einsatz von ABS bei Motorrädern und Motorrollern könnte die Zahl der Schwerverletzten und Unfalltoten deutlich gesenkt werden.“

Die Europäische Union (EU) hat drauf bereits reagiert: Für Motorräder mit mehr als 125 Kubikzentimeter Hubraum wird ABS in der Europäischen Union in den nächsten Jahren Pflicht für neuentwickelte Modellreihen (ab 1. Januar 2016) und neu verkaufte Motorräder (ab 1. Januar 2017) – ein Schritt, der dem Fahrer mehr Stabilität, mehr Kontrolle und damit ein deutliches Plus an Sicherheit ermöglicht. Continental unterstützt Hersteller und Fahrer mit einem Lösungsangebot, das alle Fahrzeugklassen bedient: vom einfachen Ein-Kanal-ABS für Roller und kleine Motorräder bis zum Motorrad-Integral-Bremssystem, das auch erweiterte Regelfunktionen wie Sport- und Offroad-ABS, optimiertes Kurvenbremsen oder die Haltefunktion Hold & Go ermöglicht.

Über die Continental Reifen Deutschland GmbH

Continental entwickelt intelligente Technologien für die Mobilität der Menschen und ihrer Güter. Als zuverlässiger Partner bietet der internationale Automobilzulieferer, Reifenhersteller und Industriepartner nachhaltige, sichere, komfortable, individuelle und erschwingliche Lösungen. Der Konzern erzielte 2013 mit seinen fünf Divisionen Chassis & Safety, Interior, Powertrain, Reifen und ContiTech einen Umsatz von rund 33,3 Milliarden Euro und beschäftigt derzeit rund 189.000 Mitarbeiter in 49 Ländern.

Die Division Chassis & Safety entwickelt und produziert sowohl integrierte aktive und passive Fahrsicherheitstechnologien als auch Produkte, die die Fahrzeugdynamik unterstützen. Das Produktportfolio reicht von elektronischen und hydraulischen Brems- und Fahrwerkregelsystemen über Sensoren, Fahrerassistenzsysteme, Airbagelektronik und -sensorik sowie elektronische Luftfedersysteme bis hin zu Reinigungssystemen für Windschutzscheiben und Scheinwerfer. Der Fokus liegt auf einer hohen Systemkompetenz sowie der Integration von Fahrzeugkomponenten in das Sicherheitskonzept ContiGuard. Chassis & Safety beschäftigt.

www.conti-online.de

Facebook
Twitter
LinkedIn
17.11.2014   |  

Das könnte Sie auch interessieren