Gastbeitrag: Technologie-Potenzial zum Erreichen der Klimaziele

Bundesverkehrsminister Volker Wissing und Wirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck haben sich ehrgeizige Ziele gesetzt, um die von der Bundesregierung vereinbarten Klimaziele zu erreichen. Dabei kommt es allerdings nicht nur darauf an, mehr Elektrofahrzeuge auf die Straßen zu bringen und den Ausbau der Erneuerbaren Energien voranzutreiben. Vielmehr sollten die Verantwortlichen zusätzlich das Technologie-Potenzial zur Bewältigung dieser Herausforderung nutzen und den Energie- und Verkehrssektor intelligent miteinander verzahnen.

Sicherlich muss der Ausbau der Ladeinfrastruktur weiter vorangetrieben werden – und zwar mit einem klaren Fokus auf alle Ladeorte. Neben der öffentlichen Ladeinfrastruktur ist vor allem auch ein verstärkter Blick auf den Ausbau von intelligenten Ladenlösungen zu Hause und am Arbeitsplatz essentiell. Laut der eReadiness Studie von PwC bevorzugen 87 Prozent aller E-Pkw-Fahrer, ihr Fahrzeug zu Hause oder in der Firma zu laden. Des Weiteren hat das BMWI in einer Studie zur Mobilität in Deutschland herausgefunden, dass die mittlere Betriebszeit eines Pkws bei zwei Fahrten und 30 Kilometer pro Tag liegt, während nur ein Prozent aller Fahrten länger als 100 Kilometer sind. Daher ist es naheliegend, die Stehzeiten zu Hause oder am Arbeitsplatz für das Laden zu nutzen und die verbreitete „Reichweitenangst“ obsolet zu machen. Einer der zentralen Hebel für die weitere Skalierung der Elektrifizierung ist der Umstieg auf E-Flotten – und der damit verbundene Bedarf an integrierten Ladelösungen für alle Ladeorte.

Solide und skalierbare Konzepte für die Elektrifizierung von Flotten

Unternehmen jeder Größe, die ihre Dienstwagen auf Elektroantrieb umstellen möchten, sind gut beraten, mit einem dedizierten Konzept zu starten, das auch zukünftige Szenarien und eine entsprechende Skalierung berücksichtigt. Werden beispielsweise heute nur drei E-Pkw geladen, können es in naher Zukunft bereits 10, 20 oder mehr sein. Dies wirkt sich direkt auf den Strombedarf und die Last im Kontext des vorhandenen Netzanschlusses aus. Auch der administrative Aufwand bei der Elektrifizierung, den laufenden Abrechnungen sowie für den Service für die elektrifizierte Flotte muss bedacht werden.

Klimafreundliche Mobilität nur mit 100 Prozent Ökostrom

Nur wer sein Elektrofahrzeug wirklich mit 100 Prozent Ökostrom lädt, ist klimafreundlich unterwegs und damit steht die Politik vor der nächsten bekannten Herausforderung: Dem Ausbau der Erneuerbaren Energien. Vor allem auch der Ausbau von Photovoltaik-Anlagen wird für das Laden von E-Pkw immer wichtiger, ebenso wie bezahlbare Energiepreise. Gerade wenn wir verstärkt Erneuerbare Energien nutzen, gilt es, die vorhandene dezentrale Energie bestmöglich und vor allem intelligent zu steuern.

Bisher wird dieser Aspekt in der öffentlichen Debatte noch vernachlässigt. Um die Energienutzung intelligenter zu gestalten und somit dazu beizutragen, die Klimaziele zu erreichen, müssen der Energie- und Verkehrssektor enger miteinander verzahnt werden. Hierfür lautet die Schlüsseltechnologie vernetzter Energie.

Fahrzeuge als Stromspeicher

Wichtig ist zudem ein umfassenderer Blick auf E-Autos und ihre zukünftige Funktion. Die Fahrzeuge sollten vielmehr auch als Stromspeicher angesehen werden. Bidirektionales Laden ist das Stichwort: E-Pkw können nicht nur Strom aus dem Netz ziehen, sondern diesen auch wieder zurückgeben. Die Vorteile liegen auf der Hand: Auf der einen Seite kann das Stromnetz entlastet werden, da man die Peaks glätten kann. Auf der anderen Seite sinken potenziell die Preise, da man auch in den nachfragestarken und teuren Zeiten den Einkauf vermeiden und auf die nachfrageschwachen Zeiten verlagern kann. Gerade bei den momentan stetig steigenden Energiepreisen ist dies vorteilhaft.

Auch der Second Life-Ansatz für Autobatterien wird zunehmend wichtiger. Dabei wird zuerst ermittelt, welche Batteriezellen eines Satzes noch genügend Ladung speichern können. Anschließend wird der Batteriesatz zerlegt – die noch brauchbaren Zellen werden zu einer neuen Batterie zusammengebaut, die eine weitere Verwendung außerhalb des Autos finden kann, zum Beispiel als Speicher.

Software für das intelligente Energiemanagement

Durch den Ausbau der Erneuerbaren wird die Energieversorgung zunehmend dezentralisiert. Je mehr Photovoltaik-Anlagen – auch bedingt durch geplante Gesetzesänderungen der Ampel-Koalition – installiert werden, desto anspruchsvoller wird demnach das Management von dezentraler Energie. An dieser Stelle kann jedoch die Verbindung von Künstlicher Intelligenz (AI) mit dem Internet der Dinge (IoT) dazu beitragen, solche Energieflüsse zu überwachen, intelligent zu steuern und somit sinnvoll zu nutzen. Hierfür werden die Daten der Energieerzeuger und -quellen von Algorithmen analysiert. Mittels Künstlicher Intelligenz können darauf basierend relevante Vorhersagen getroffen werden, zu welchem Zeitpunkt welche Energiequelle den meisten und günstigsten Strom erzeugt, wann welche Energie in welcher Größenordnung benötigt wird und wann die Preise am niedrigsten sind. Diese Analyse dient als Basis für eine automatisierte Entscheidung, wann Erneuerbare Energie hinzugekauft werden muss und wann Überschüsse vorhanden sind. Somit lassen sich Lastspitzen vermeiden und der Stromverbrauch besser prognostizieren.

Der Ausbau intelligenter Ladelösungen ist erst der Anfang. Diese können im smarten Gebäude in naher Zukunft zu einem integralen Bestandteil des gesamten Energiesystems werden. Mit anderen Erneuerbaren Energiequellen – beispielsweise Photovoltaik – über Software verbunden, lässt sich der Energiebedarf also passgenau und kosteneffizient regulieren. Dieses Modell lässt sich auf ganze Städte und Regionen übertragen. Diese neuen, auf AIoT beruhenden Möglichkeiten für das globale Energiemanagement werden immer bedeutender. Wichtig ist also: Wollen wir die Klimaziele umsetzen, müssen wir mit Weitblick agieren und das vorhandene Potenzial der Technologie nutzen. www.envision-digital.de.

Die ist ein Gastbeitrag von Drazen Nikolic, Geschäftsführer von Envision Digital in Deutschland, den wir in der aktuellen Ausgabe des eMove360° Magazins (Download-PDF) veröffentlicht haben.

 

Please follow and like us:

30.03.2022   |  

Das könnte Sie auch interessieren